
Im Januar 2026 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seinen Bericht zur Pestizidbelastung in Lebensmitteln für das Jahr 2024 veröffentlicht. Die Zahlen sind eindeutig: 54,1 % der konventionell erzeugten Obst- und Gemüseproben enthielten quantifizierbare Pestizidrückstände, bei Bio-Ware lag dieser Anteil bei nur 19,9 %. Noch deutlicher: 80 % der untersuchten Gemüseproben wiesen Mehrfachrückstände auf, also Spuren von zwei oder mehr verschiedenen Pestiziden gleichzeitig.
Auch die ZDF-Dokumentation „plan b – Ohne Pestizide” erinnerte zuletzt daran, dass weltweit jährlich vier Millionen Tonnen Pestizide versprüht werden, deren Rückstände unweigerlich auf unseren Tellern landen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Verbraucherinnen und Verbraucher eine ganz einfache Frage: Hilft das Waschen von Obst und Gemüse wirklich gegen Pestizide?
Wenn Sie Ihre Äpfel unter den Wasserhahn halten, Tomaten abreiben oder Erdbeeren in Natronlauge einweichen, weil Sie glauben, dadurch gesünder zu essen, nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit. Die Antwort ist wichtiger, als sie scheint.
Die kurze Antwort: Nein, nicht wirklich.
Um zu verstehen, warum, muss man zwei grundverschiedene Arten von Pestiziden unterscheiden.
- Kontaktpestizide bleiben auf der Oberfläche der Frucht oder des Gemüses. Sie wirken dort, wo sie aufgesprüht wurden. Für diese gilt: Ja, gründliches Abwaschen, Abreiben oder das Einweichen in Natronlauge entfernt einen Teil der Rückstände.
- Systemische Pestizide hingegen sind so konzipiert, dass sie von der Pflanze selbst aufgenommen werden. Sie zirkulieren im Pflanzensaft und verteilen sich in Blättern, Stängeln und Früchten. Wie ein aktueller Artikel auf Basis einer Studie der University of Massachusetts Amherst klarstellt: Diese Wirkstoffe werden von der Pflanze aufgenommen und im gesamten Gewebe verteilt, gegen diese innere Kontamination ist kein äußeres Waschen wirksam.
Und genau hier liegt das Problem: Ein Großteil der heute verwendeten Pflanzenschutzmittel ist systemisch. Dazu gehören die Neonicotinoide (Insektizide, in der EU seit 2018 für den Freilandeinsatz weitgehend verboten, aber unter Ausnahmegenehmigungen weiterhin im Einsatz) und Herbizide auf Glyphosat-Basis.
Wasser, Natron, Essig: Was bringt das tatsächlich?
In Blogs und Netzwerken sind “Omas Tipps” zur Entgiftung von Obst und Gemüse in aller Munde. Was In Blogs und Ratgebern kursieren zahllose Hausmittel zur „Entgiftung” von Obst und Gemüse. Was sagt die Wissenschaft?
- Lauwarmes Wasser: Stiftung Warentest empfiehlt es zur Reduktion oberflächlicher Rückstände. An der Frucht selbst haftende Pestizide lassen sich so zumindest reduzieren, Pestizide im Inneren der Frucht wird man mit Waschen jedoch nicht los. Wirkung also nur auf Kontaktpestizide.
- Natronlösung (Backpulver/Natron): Eine Studie der University of Massachusetts Amherst zeigte, dass eine 1 %ige Natronlösung mit 15 Minuten Einweichzeit Pestizidrückstände auf der Apfelschale deutlich wirksamer entfernt als reines Wasser. Aber auch hier gilt: nur an der Oberfläche.
- Essig: vergleichbar mit Wasser, kein Wundermittel.
- Schälen: die radikalste Lösung für Kontaktpestizide. Allerdings gehen mit der Schale viele Ballaststoffe, Antioxidantien und Vitamine verloren.
Der gemeinsame Nenner all dieser Methoden: Sie erreichen niemals das Innere der Frucht. Was die Pflanze einmal aufgenommen hat, bleibt drin, und landet auf dem Teller.
Die unbequemen Zahlen
Greenpeace Deutschland fasst es nüchtern zusammen: Etwa 80 % des hierzulande verkauften Obstes und 50 % des Gemüses aus konventionellem Anbau enthalten Pestizidrückstände. Der BVL-Bericht 2024 zeigt zudem, dass die durchschnittliche Pestizidbelastung von frischem Gemüse gegenüber den Vorjahren leicht gestiegen ist, im Mittel 5 Wirkstoffe pro Probe bei Wurzelgemüse.
Bio? Eine echte Verbesserung, Bio-Ware ist im Schnitt um ein Vielfaches weniger belastet. Aber nicht völlig frei: Böden sind über Jahrzehnte kontaminiert, Bewässerungswasser kann Rückstände tragen, und durch Abdrift aus Nachbarfeldern gelangen Spuren selbst auf Bio-Flächen.

Was man konkret tun kann
Keine Panik. Obst und Gemüse zu essen bleibt wichtig, die gesundheitlichen Vorteile überwiegen das Risiko durch Rückstände bei Weitem. Aber man kann die Belastung intelligent reduzieren:
- Saisonal und regional einkaufen. Importware aus Drittländern weist deutlich häufiger Höchstmengenüberschreitungen auf.
- Bei stark belasteten Sorten gezielt zu Bio greifen. Dazu gehören laut BVL u. a. Beeren, Trauben, Zitrusfrüchte, Grünkohl, Bohnen mit Hülsen.
- Vielfalt im Einkaufskorb. Wer abwechslungsreich isst, akkumuliert weniger desselben Wirkstoffs.
- Natron-Bad + Bürste für Schalen, die mitgegessen werden (Äpfel, Birnen, Gurken).
- Selbst anbauen.
Die einzige zu 100 % zuverlässige Rückverfolgbarkeit: das eigene Erntegut
Wenn man weder dem Abwaschen vertrauen kann, noch dem Boden oder dem Wasser eines fremden Erzeugers, dann beginnt echte Rückverfolgbarkeit im eigenen Garten. Selbst anzubauen, in einer kontrollierten Umgebung, ist die einzige Garantie, genau zu wissen, was den eigenen Salat, die Tomaten und Erdbeeren berührt, oder eben nicht berührt.
Genau das ist der Grundgedanke der aquaponischen Gewächshäuser von Myfood: null Pestizide, null chemische Behandlung, gefiltertes Wasser, ein inertes Wurzelsubstrat. Sie ernten ausschließlich das, was Sie gesät haben. Keine Rückstände, kein Zweifel, kein Natron-Bad nötig.
Die ZDF-Doku, der BVL-Bericht und Stiftung Warentest stellen die richtigen Fragen. Unsere Antwort steht seit über zehn Jahren in unseren Gewächshäusern.




